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Institut für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit

Nachruf: Professor Dr. Thomas Kieselbach

Nach schwerer Krankheit verstarb am 16. Dezember 2011 der emeritierte Psychologie Professor Dr. Thomas Kieselbach. Er kam Ende der 1970er Jahre von der Universität Münster an die Universität Bremen und baute dort im Studiengang Psychologie die Wissenschaftliche Einheit „Arbeit, Arbeitslosigkeit und Persönlichkeitsentwicklung“ auf, die 1998 von der Neugründung des IPGs (Institut für Psychologie der Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit) abgelöst wurde. In Bremen war Kieselbach maßgeblich am Aufbau des Förderwerks beteiligt und gründete in den 1980er Jahre einen Arbeitskreis „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“. In den letzten 15 Jahren seiner wissenschaftlichen Karriere beschäftigte sich Kieselbach v.a. auf der europäischen Ebene mit den psychischen Folgewirkungen von Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzunsicherheit und Restrukturierung. Mit nahezu 200 Fachpublikationen, mehr als einem Dutzend nationaler und europäischer Forschungsprojekte gilt Kieselbach als der Wegbereiter für die Etablierung der psychologischen Arbeitslosenforschung in Deutschland. Der Arbeits- und Gesundheitspsychologe genießt auch international einen exzellenten Ruf, zuletzt durch den langjährigen Vorsitz der Internationalen Kommission für berufliche Gesundheit (ICOH) der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Hintergrund des IPG

Das IPG wurde 1998 im Studiengang Psychologie der Universität Bremen von Prof. Dr. Walter R. Heinz und Prof. Dr. Thomas Kieselbach (Sprecher)gegründet. Es baut auf den Arbeiten der Wissenschaftlichen Einheit "Arbeit, Arbeitslosigkeit und Persönlichkeitsentwicklung" (1982-1998) auf und akzentuiert diese stärker unter einer gesundheitspsychologischen Perspektive.

Die an der Lebenslaufforschung orientierten sozialisationstheoretischen Arbeiten (Schwerpunkt "Erwerbsarbeit und Statuspassagen": Walter R. Heinz) waren im Sonderforschungsbereich 186 ("Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf") angesiedelt, gegenwärtig im "Institut für Empirische und Angewandte Sozialforschung" der Universität Bremen (EMPAS), die stärker gesundheitspsychologischen Projekte (Schwerpunkt "Psychologie der Arbeits- losigkeit und Arbeit": Thomas Kieselbach) bilden den Teil des IPG, der als Abteilung im Zentrum für Public Health (ZPH) angesiedelt ist.

Seit 1997 ist Prof. Dr. Walter Heinz Mitglied des DAAD-Auswahlausschusses für Professoren und Dozenten in Nordamerika. Er ist seit 1998 Direktor des Instituts für Soziale Chancen (ISO) in Köln. Prof. Dr. Walter Heinz war 1992-1996 Mitglied der Kommission für sozialen und politischen Wandel (KSPW) in den neuen Bundesländern. Prof. Dr. Walter Heinz ist Mitglied des NIAS (Netherlands Institute for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences, Wassenaar, Niederlande.

Seit dem Jahre 2000 ist Prof. Dr. Thomas Kieselbach Vorsitzender des Wissenschaftskomitees "Unemployment and Health" der International Commission on Occupational Health (ICOH SC U&H) dem ältesten und größten internationalen Fachverband (assoziiert an die ILO und die UN), der sich mit Fragen des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung in der Berufswelt befasst. Er leitet seit 2003 darüber hinaus für die International Association of Applied Psychology (IAAP) die Kommission "Psychologie der Arbeitslosigkeit" und ist gleichzeitig Mitglied der zentralen Politik-Kommission der IAAP.

Forschungsfelder des IPG

Die individuelle Bewältigung von Arbeitslosigkeit, insbesondere von Langzeitarbeitslosigkeit, steht im Mittelpunkt des Forschungs- interesses des IPG. Welche psychosozialen Folgen haben Arbeits- platzverlust und langdauernde Arbeitslosigkeit für die Betroffenen, wie sind die Auswirkungen für verschiedene Altersgruppen unter- scheidbar? Welche Auswirkungen hat Massenarbeitslosigkeit auf das persönliche Umfeld der Menschen, wie verändert sich das soziale Klima in den Gemeinden?

Die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und -märkte führen für den Einzelnen zu häufigeren beruflichen Transitionen und damit zu stärkeren Anforderungen an Eigeninitiative, Selbstmanagement und Entrepeneurship. Welche Auswirkungen auf die Gesundheit können festgestellt werden, welche Strategien werden entwickelt, um mit diesen Veränderungen umzugehen? Wie lassen sich die Effekte von Arbeitslosigkeit durch Interventionsmaßnahmen unterschiedlicher Institutionen begrenzen oder vermeiden?

Die Erforschung gesundheitlicher Auswirkungen und der Wechsel- bezüge von Beschäftigung, staatlicher Arbeitsmarktpolitik und sozialer Ausgrenzung der Arbeitslosen ist der Bereich der For- schungsaktivitäten des IPG, der in enger Kooperation mit dem ZPH stattfindet. Sowohl der Einzelne als auch der Bereich Public Health wird durch die fortschreitende Prekarisierung der Arbeitsmärkte vor neue Anforderungen gestellt, für deren Bewältigung die individuellen und sozialen Ressourcen oft nicht angemessen ausgebildet sind.

Soziale Institutionen müssen für diese beruflichen Umbrüche neue Konzepte von Begleitung und Beratung entwickeln, damit die psychosozialen Probleme der direkt oder indirekt von industriellen Umstrukturierungen Betroffenen begrenzt werden können

Hier setzt der Wissenstransfer von IPG Transfer an: Beratend und gestaltend begleiten Mitarbeiter des IPG Unternehmen und Institutionen regional, national und international bei betrieblicher Gesundheitsförderung, gesundheitsbezogener Organisations- entwicklung und Outplacement oder Replacement.

Mit dem "Archiv für Arbeitslosenforschung" (AFA) verfügt das IPG über ein umfangreiches Archiv zum Themenschwerpunkt 'Psychosoziale Folgen von Arbeitslosigkeit' (ca. 6.000 Arbeiten). Darüber hinaus sind hier gegenwärtig etwa 3.500 Arbeiten vorhanden, die sich auf das Gebiet der Gesundheitspsychologie beziehen.

Kontakt

Weitere Informationen erhalten Sie über Herrn Dr. Beelmann.

Aktuell

Seit November 2011 ist das Archiv für Arbeitslosenforschung (AFA) in den Räumlichkeiten der QUOTAC Management GmbH in Achim.


  list Last modified: 06.03.2012  list Contact & Impressum
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